Wunderbar königlich
Was macht man mit einem Auftrag, den man im Grunde nicht erfüllen kann? So tun, als hätte man ihn überhört? Sich leidenschaftslos kümmern und mutlos abwarten? Jemand anderen suchen, der sich der Sache annimmt? Siggi Waldmann über Evangelisation, das „zu Jüngern machen“ und die eigene Machtlosigkeit.
Dieser Beitrag erschien im LZA-Journal 2/2026

„Bitte, Herr, verändere mein Herz so, wie dein Herz ist“. So beginnt ein Gebet, das Br. Matthias vor einigen Wochen bei einem gemeinsamen Einsatz in einer Gemeinde vorgestellt hat. Gottes Herz, das erkennen wir von vorne bis hinten in der Bibel, schlägt für uns Menschen. Schlägt für dich und mich. Schlägt für deinen Arbeitskollegen, deinen Nachbarn und Freund. Gottes Herz sehnt sich nach Beziehung mit allen Menschen. So lesen wir in 1. Timotheus 2,4: „Denn er (Gott) will, dass alle Menschen gerettet werden und dass sie die Wahrheit erkennen“. Wir sind vom allmächtigen Gott selbst dazu eingeladen, an seiner Hand zu leben. Jeder Mensch ist dazu eingeladen, die Wahrheit in Person – Jesus Christus – zu erkennen und sein Leben ihm anzuvertrauen. Und wir sind beauftragt, die Menschen in unserer Umgebung mit seinen Herzensaugen zu sehen und zur Beziehung mit ihm einzuladen. Ein Auftrag, der auf der einen Seite wunderbar königlich ist, auf der anderen Seite für uns mehrere Nummern zu groß. Deshalb ein Blick darauf, wie Gottes Herzenswunsch zur Rettung von Menschen, unser Beitrag dazu und sein Wirken zusammenkommen.
Er selbst ist am Werk
Der Rahmen des obigen Verses wehrt allen Gedanken, die die Erfüllung von Gottes Herzenswunsch von uns abhängig machen. Als begrenzte Menschen müssen und können wir es nicht „schaffen“, dass jemand Jesus als Sohn Gottes erkennt. Paulus schreibt über diesen Willen Gottes im Rahmen des Gemeindegebetes. Weil Jesus Christus derjenige ist, der die Beziehung zu Gott herstellt (siehe V. 5), und weil Gott der ist, der Herzen bewegen kann, sind wir dazu aufgerufen, zu beten. Für alle Menschen, von Herrschern bis zu Bettlern.
Dieses Gebet beginnt zunächst bei mir selbst. Unsere erste Berufung ist es, selbst mit unserem liebenden Vater in Beziehung zu sein. Wenn mein Herz dann von seiner Liebe gefüllt ist, wird mich dies zum Gebet für meine Mitmenschen bringen. So erlebe ich es immer wieder, ein Beispiel: Wenn ich darauf warte, meine Tochter vom Sport abzuholen, mache ich ab und zu einen Spaziergang rund um das Schulgelände in Eppingen. Viele Schüler dieser Schulen waren schon bei uns im Erlebnisgarten. Dann denke ich an diese Schüler und daran, wie viele Jesus noch nicht kennen. „Bitte erreiche ihre Herzen, Vater!“ Es ist gut, sich daran zu erinnern, dass er selbst am Werk ist: „Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden“ – so leitet Jesus den Missionsbefehl ein (Mt. 28,18).
Jeder, wie er kann
Gott möchte, dass Menschen Jesus Christus – die Wahrheit in Person – erkennen. Paulus schreibt, dass er genau hierfür als Prediger eingesetzt ist: „Und ebenso wahr und unbestreitbar ist, dass er diese Botschaft mir anvertraut und mich als Verkündiger und Apostel eingesetzt hat, als Lehrer, der alle Völker im Glauben und in der Wahrheit unterrichten soll.“ (1. Tim. 2, 7). An anderer Stelle fragt Paulus, wie Menschen glauben könnten, wenn sie nie von Jesus gehört haben (Röm. 10,14). Weil Gott jeden Menschen sucht, sind wir beauftragt, denjenigen, die in unserem Umfeld sind, genau von diesem liebenden Gott zu erzählen. Ja, wir sind sehr unterschiedlich. Während der eine problemlos vor großen Gruppen sprechen kann, sagt ein anderer nur das Nötigste. Nicht jeder von uns ist von Gott als Prediger wie Paulus berufen. Doch wir alle sind dazu beauftragt, „jedem Rede und Antwort zu stehen, der euch auffordert, Auskunft über die Hoffnung zu geben, die euch erfüllt.“ (1. Petrus 3,15) Denn wir dürfen ja wissen, dass ER selbst uns mit seinen Worten ausrüstet, und wo unser Herz von ihm erfüllt ist, darf auch der Mund übergehen.
Hast du Hoffnung?
Der Vers aus dem 1. Petrusbrief macht zugleich deutlich, dass es um mehr geht, als über Jesus zu sprechen. Wenn die Rede davon ist, dass Menschen nach der Hoffnung fragen, die uns als Nachfolger Jesu erfüllt, setzt dies voraus, dass sie etwas an unserem Leben sehen. In einer Zeit, in der Zukunftsaussichten nicht mehr nur rosig sind, machen hoffnungsvolle Menschen neugierig. Wieder geht alles von Gott selbst aus. Auch als Christen sind wir von Krankheiten, Krisen uns Sorgen nicht verschont. Immer wieder übe ich mich darin, mit meinen Sorgen zu Gott zu kommen und mir von ihm Zuversicht, Hoffnung schenken zu lassen. Und vor allem die entscheidende Perspektive auf die Ewigkeit bei und mit Gott gibt Hoffnung. Ich denke an einen Teamkameraden in meinem alten Fußballclub, der in einem Gespräch klar gemacht hat, womit er beim Gedanken an die eigene Endlichkeit zu kämpfen hat und der zumindest interessiert war, welche Hoffnung der Glaube an Gott mir gibt. Wo Menschen diese Hoffnung in uns sehen, kann Interesse geweckt werden.
Neben Hoffnung können Menschen in unserem Leben hoffentlich auch Gottes Liebe ganz real sehen. „So soll auch euer Licht vor den Menschen leuchten: Sie sollen eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen“ sagt Jesus zu Beginn der Bergpredigt (Mt. 5,16). Auch hierin sind wir ganz vom himmlischen Baumeister abhängig, der seine Liebe ganz praktisch in unserem Leben wachsen lassen kann. Wie gut, dass er es gern tut.
Wir tun´s gemeinsam
Gemeinsam mit Gott als Baumeister Menschen zu ihm hin einladen, das ist bereits ausführlich bedacht. Darüber hinaus auch gemeinsam als Nachfolger Jesu, als Gemeinde. Der Missionsbefehl ist an die Jünger als gesamte Gruppe formuliert und gilt damit uns als ganze Gemeinde. Jeder einzelne hat seinen Platz darin, so wie er von Gott begabt ist. Da wird gepredigt, eingeladen, gekocht, gesprochen, zugehört, angepackt, musiziert und noch einiges mehr, und nicht zuletzt natürlich gebetet. Und in allem beten wir darum, dass Gott selbst Herzen erreicht, Menschen ihn kennenlernen und damit Hoffnung für Zeit und Ewigkeit haben. Wie schön, dass wir daran mitwirken dürfen.
Siggi Waldmann ist verantwortlich für den Bereich „Verkündigung“ und für den Erlebnisgarten. Er liebt es, mit tollen Leuten draußen unterwegs zu sein und dabei starke Erfahrungen mit Gott zu machen. Er ist mit Olga verheiratet und Vater von drei Kindern.

