Manches versteht man erst viel später
Immer wieder kommt es vor, dass wir erst im Rückblick begreifen, warum Gott bestimmte Wege führt. In dem Moment, in dem die Führung stattfindet, stehen eher Fragen da als Zuversicht: Warum passiert das gerade? Warum bin ich genau hier? So ging es auch Tobias Kern, der meint: Mit etwas Abstand erkenne ich, dass Gott längst dabei war, alles zu lenken.
Dieser Beitrag erschien im LZA-Journal 2/2026

Während meiner Schulzeit wusste ich lange nicht, wie mein Weg danach aussehen sollte. Nach meinem Realschulabschluss im Jahr 2023 bin ich zunächst einfach in die Oberstufe gegangen. Doch relativ schnell merkte ich, dass mir das viele theoretische Lernen schwerfiel. Nicht unbedingt, weil ich nicht gekonnt hätte – sondern weil meine Prioritäten anders lagen. Schon während der Schulzeit habe ich es geliebt, praktisch mit anzupacken. Ich habe mich in verschiedene Projekte eingebracht, zum Beispiel beim Praise & Pray, dem Jugendgottesdienst in meiner Schule, oder bei Sommergottesdiensten und Andachten. Außerdem engagierte ich mich in meiner Gemeinde als Mitarbeiter in der Jugendarbeit. Besonders in der Zeit zwischen der 10. und 12. Klasse habe ich dadurch unglaublich viele Menschen kennengelernt und mich weiterentwickelt.
Ich war mir nicht sicher
In der 12. Klasse fiel mir die Schule jedoch immer schwerer. Ich merkte immer deutlicher, dass mir praktisches Arbeiten viel mehr liegt als klassischer Unterricht. Gleichzeitig wusste ich aber auch nicht wirklich, welcher Beruf zu mir passen könnte. Eine Ausbildung erschien mir deshalb zunächst auch nicht als klare Lösung, weil ich noch gar nicht wusste, in welche Richtung ich gehen möchte.
Meine Eltern brachten schließlich die Idee eines FSJ oder BFD ins Gespräch. Das klang für mich schon deshalb sehr interessant, weil ich dadurch auch mein Fachabitur erwerben konnte. Also begann ich, im Internet nach christlichen Einsatzstellen zu suchen, und mein Vater machte mich auf das Lebenszentrum Adelshofen aufmerksam. Ich bewarb mich – und wurde angenommen. Aber ich hatte viele Fragen: Welche Menschen werde ich dort treffen? Wird mir die Arbeit gefallen? Und werde ich meinen Platz da finden? Interessanterweise wusste ich damals noch gar nicht, dass es im Lebenszentrum auch den Bereich Öffentlichkeitsarbeit gibt. Genau nach so etwas hatte ich nämlich eigentlich für mein FSJ gesucht – nach einer Möglichkeit, kreativ zu arbeiten und mich praktisch einzubringen. Andere Stellen, die in diese Richtung gingen, waren bereits vergeben. Umso erstaunlicher ist es für mich heute, dass ich genau hier im Lebenszentrum schließlich in der Öffentlichkeitsarbeit gelandet bin.
Es war ständig was zu tun
Am Anfang war ich erstmal in zwei Bereichen eingesetzt, dem Handwerk und eben auch in der Öffentlichkeitsarbeit, und eine Erfahrung hat mich dabei besonders geprägt. Vor einigen Monaten ist mir bei der Renovierung der Halle ein Teil eines Glasbausteins so doof auf den Fuß gefallen, dass ich mir die Sehne durchtrennt habe. Das war ganz schön schmerzhaft und ich habe mich gefragt: Warum ist das passiert? Habe ich etwas falsch gemacht? Wofür soll das gut sein? Doch im Nachhinein habe ich gemerkt, dass dieser Zwischenfall genau zur richtigen Zeit kam. In den Wochen davor hatte ich sehr viel gearbeitet, es war ständig etwas zu tun, und eigentlich wollte ich auch gleich am nächsten Tag wieder weiterarbeiten. Aber durch die Verletzung wurde ich natürlich erst mal krankgeschrieben und musste gezwungenermaßen eine Pause machen. Erst in dieser Zeit habe ich gemerkt, wie erschöpft ich eigentlich war. Ich durfte zur Ruhe kommen und mich neu auf Gott ausrichten.
Das ist mir wichtig
Inzwischen arbeite ich nur noch in der Öffentlichkeitsarbeit – und merke immer mehr, wie gut dieser Bereich zu mir passt. Hier kann ich kreativ sein, Ideen umsetzen und gleichzeitig praktisch arbeiten. Genau nach dieser Kombination hatte ich mich eigentlich schon lange gesehnt, ohne dass ich es hätte klar formulieren zu können. Im Rückblick staune ich darüber, wie Gott meinen Weg geführt hat – auch in Momenten, in denen ich es selbst überhaupt nicht verstanden habe.
Ein Vers, der mich dabei besonders begleitet, steht im Johannesevangelium: „Was ich tue, verstehst du jetzt nicht; du wirst es aber danach erkennen.“ (Johannes 13,7) Auch der Vers aus Jesaja 43,2 ist mir wichtig: „Wenn du durchs Wasser gehst, will ich bei dir sein, und wenn durch Ströme, sollen sie dich nicht überfluten.“
Ich weiß noch nicht genau, wie mein weiterer Weg aussehen wird oder welchen Beruf ich später einmal haben werde. Aber ich darf darauf vertrauen, dass Gott einen guten Plan für mein Leben hat. Hingabe bedeutet für mich deshalb immer mehr, meine eigenen Vorstellungen loszulassen und Gott zuzutrauen, dass er den besseren Überblick hat. Manches verstehe ich erst später. Doch immer wieder darf ich erleben: Gott führt – Schritt für Schritt.
Tobias „Tobi“ ist 19 Jahre alt, kommt aus Stuttgart und gehört zum LZA-Jahresteam 25/26. Er steht auf Pizza, Sonne, trinkt gerne (Achtung, kein Witz …!) kaltes Mineralwasser und kann richtig gut mit der Kamera umgehen.

