Wo kannst du mich gebrauchen?
Wer in seinem Leben danach fragt, was Gottes Weg für ihn ist, muss darauf gefasst sein, das Gott antwortet. So wie bei Sigrid Fiebich. Sie wollte wissen, was ihre Berufung ist, wollte tun, was Gott für richtig hielt. Dabei hat sie entdeckt: Klarheit zu haben bedeutet nicht, keine Angst zu haben. Hier erzählt sie ihre Geschichte.
Dieser Beitrag erschien im LZA-Journal 1/2026

Die Angst ist mein ständiger Begleiter, alles Neue macht mir Angst. Vor allem Entscheidungen mit größerer Tragweite versetzen mich in enorme Unruhe. Wege, die ich noch nie gegangen bin und Aufgaben, die ich noch nie erledigt habe, bereiten mir ein mulmiges, unsicheres Gefühl. Unzählige oft konfuse Gedanken schwirren mir im Kopf herum. Da fällt es mir meistens sehr schwer, sinnvoll und hilfreich die Handbremse zu ziehen oder die richtigen Weichen zu stellen. Dennoch erkenne ich im Rückblick auf mein Leben, dass ich verschiedenste Ängste und Sorgen überwunden habe, meinen Konfirmationsvers aus 2. Timotheus 1,7 als Ansporn und Ermutigung stets an meiner Seite: „Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“
Ich hatte einen Wunsch
Damit spricht Gott direkt zu mir: Sigrid, ich habe dir nicht den Geist der Furcht gegeben, sondern ich will dir viel mehr geben, nein, ich habe es dir schon gegeben! Nämlich den Geist der Kraft, den Geist der Liebe und den Geist der Besonnenheit. Heute würde man wohl von Selbstbeherrschung sprechen. Mir wurde mehr und mehr bewusst, womit Gott mich ausgerüstet hat, und das half mir sehr, als ich nach der Berufung für mein Leben fragte. Ich hatte zwar schon als Teenie den Wunsch, eine Bibelschule zu besuchen, aber mir war nicht klar, wie das gehen könnte. So lernte ich zunächst einen „anständigen“ Beruf und machte eine Ausbildung zur Buchbinderin. Das machte mir viel Freude, und ich lernte nicht nur Bücher zu binden, sondern auch Marmorier-Techniken, das Anfertigen von Mappen, Schachteln und Schmuckschatullen. Obendrein konnte ich am Ende auch Bilderrahmen mit Passepartouts gestalten und herstellen, das war alles sehr kreativ – und genau das machte mir am meisten Freude. Schließlich konnte ich diese Fertigkeiten dann nebenbei auch im Teen-Kreis einsetzen und mit den anderen Teilnehmern einiges gestalten und herstellen.
Ich musste mich aufmachen
Nach der Ausbildung und einigen Jahren sehr zufriedener Berufspraxis stellte sich mir aber dennoch die Frage, ob das alles war. Ich arbeitete, ging in den Jugendkreis, brachte mich ein und stellte mir immer wieder die Frage, ob Gott mich wohl auch noch woanders gebrauchen könnte. Als mir in meinem Heimatort dann im Rahmen eines Impulses in der Teestube ein Zettel zum Vorlesen in die Hand gedrückt wurde, bekam ich eine erste Antwort. Da stand: „Und verliere nie den Mut; denn ich, der Herr, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst.“ (Josua 1,9). Mir war, als würde ich das nicht nur im Rahmen dieses Impulses für andere vorlesen, sondern, als gelte es mir persönlich. Es fühlte sich so an, als hätte ich einen Marschbefehl erhalten. Allerdings war ich weder tapfer noch entschlossen und ich wusste auch gar nicht, wohin die Reise gehen soll. Und nun? Obwohl ich Angst hatte, machte ich mich dennoch auf die Suche. Ich setzte mich mit dem Gedanken in Bewegung, dass man nur ein fahrendes Schiff lenken kann. Solange es im „sicheren“ Hafen liegt, geht das nicht. Meine Suche und mein Hören auf Gott führten mich nach Adelshofen ins Lebenszentrum, und zwar ins Jahresteam. Wohl ahnend, dass das nur der Anfang einer langen Reise mit vielen Überraschungen sein würde, machte ich mich auf den Weg. Die Sehnsucht, eine Bibelschule zu besuchen, war immer noch da. Aber ich hatte Angst und Zweifel, ob das nur mein eigener Wunsch war, oder ob da mehr dahintersteckte: Gottes Berufung. So bat ich ihn immer wieder um Klarheit. Zum einen, weil ich wirklich seinen Willen tun wollte, zum anderen, weil ich großen Respekt vor den Anforderungen eines solchen Studiums hatte. Und dann lag da eines Tages in unserer Teeküche dieser Vers: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt, und eure Frucht bleibt, damit der Vater euch gibt, was ihr ihn bitten werdet in meinem Namen.“ (Johannes 15,16) Diesen Vers hatte ich bis dahin tatsächlich noch nie bewusst wahrgenommen; jetzt schenkte er mir große Klarheit!
Ich suchte noch mal neu
Als ich nun meine Bewerbung schrieb und durch das ganze Studium hindurch, wurde mir immer wieder deutlich, wie sehr Jesus mich auf meinem bisherigen Weg liebevoll in die richtige Richtung „geschubst“ hat. Er war auch derjenige, der mir half, die Ängste zu überwinden, die mich bis dahin davon abgehalten hatten, loszugehen. Nach meinem Abschluss am Theologischen Seminar arbeitete ich zunächst im help center e.V. in Buchenau bei Marburg, war dort in der seelsorgerlichen Betreuung von jungen Frauen und als Küchenleitung tätig und lernte meinen Mann kennen. Seit 2007 sind wir gemeinsam in Adelshofen, haben zwei Töchter bekommen und meine Aufgaben als Mutter haben mich sehr erfüllt. Da unsere Kinder nun aber bald volljährig sind, stellte sich mir erneut die Frage, wo und wofür Gott mich in dieser Lebensphase gebrauchen will, ob er noch einmal eine andere Berufung für mich hat. Womit soll und will ich mich beschäftigen? Zunächst hatte ich einen Minijob in einem Steuerbüro, allerdings erfüllte mich diese Aufgabe nicht wirklich. Als Buchbinderin fand ich keinen passenden Platz und als Gemeindediakonin fehlt mir die heute nötige Anerkennung der Landeskirche, um Religionsunterricht geben zu dürfen; beides eher eine Sackgasse. Als dann eines Tages auch die letzte mir möglich erscheinende Option auf eine neue Arbeit durch eine schlichte E-Mail-Absage platzte, seufzte ich: Herr, jetzt bist du dran! Ich hab nichts mehr! Für was kannst du mich gebrauchen?
Ich konnte es kaum glauben
Am gleichen Tag ging ich zum Mittagessen ins Lebenszentrum, und konnte kaum glauben, was passierte. Br. Stefan sprach mich nach dem Essen an und fragte, ob ich nicht Lust hätte, in der LZA-Küche zu arbeiten, da würde dringend Verstärkung gebraucht. Mein Herz hüpfte vor Freude, denn das konnte ich mir tatsächlich sehr gut vorstellen! Ich hab mich so gefreut – doch die Angst vorm Versagen holte mich sehr schnell wieder auf den Boden zurück! Würde ich das wirklich schaffen? Nach so vielen Jahren wieder in die Küche? Würde ich mit den neuen und modernen Geräten klarkommen? Jeder würde mitbekommen, wenn ich Fehler mache oder schlechte Laune habe – ich hatte wirklich Angst. Aber ich nahm die Herausforderung an, wies meinen negativen Gedanken die Tür und entschied mich: Wenn Jesus beruft, dann hat das Gültigkeit. Ja, Herr ich vertraue dir, dass du mich zu diesem Dienst berufen hast und ich wieder das tun darf, was mir schon als junge Frau auf dem Herzen lag: Für viele Menschen kochen und mit meiner Gabe zu erfreuen und zu beschenken!
Sigrid Fiebich ist mit Bernhard verheiratet, hat zwei Töchter und lebt seit 2007 in Adelshofen. Sie dekoriert gern, hat Freude an Handarbeiten und verstärkt seit 2025 das Team in der LZA-Küche.

