
Wenn die Angst kommt
Journal 1/2026
Ich kenne die Angst. Sie kommt leise oder mit Wucht, manchmal morgens beim Aufwachen, manchmal abends, wenn alles still wird, manchmal überfällt sie mich in der Nacht. Angst richtet den Blick nach vorn – und malt die Zukunft dunkel aus.
Dietrich Bonhoeffer, der die Angst nicht nur theoretisch kannte, sondern existenziell, schreibt aus dem Gefängnis einen Satz, der mich bis heute herausfordert: „Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.“
Dieser Gedanke ist unbequem – und befreiend. Gott nimmt uns die Angst nicht, indem er uns heute schon die Kraft für alle kommenden „Morgen“ gibt. Er verweigert die Vorratskammer. Nicht aus Härte, sondern aus Liebe. Denn vorauseilende Sicherheit würde uns an uns selbst binden. Gott aber bindet uns an seine Gegenwart.
Hier begegnen sich Angst und Hoffnung. Beide schauen nach vorn. Angst sieht dabei den Mangel oder die Bedrohung. Hoffnung sieht Gott. Angst fragt: Was, wenn ich es nicht schaffe? Hoffnung sagt: Mein HERR trägt mich in allem. Angst und Hoffnung sind zwei Deutungen derselben offenen Zukunft. Ich merke: Meine Angst wächst dort, wo ich versuche, die Zukunft allein zu tragen. Hoffnung gewinnt Raum, wo ich mir eingestehe, dass ich es nicht muss.
Dabei ist es kein Zeichen mangelnden Glaubens, wenn die Angst kommt. Vielmehr mag es ein Ruf zurück in die Beziehung zum Vater sein. Bonhoeffer erinnert mich: Die nötige Kraft wird kommen – spätestens rechtzeitig. Wer das glaubt, muss der Zukunft nicht angstvoll begegnen. Es reicht, Gott heute zu vertrauen. Das will ich einüben, täglich neu, üben Sie mit?
Zu den Beiträgen dieses JOURNALS:
Der Angst ins Auge schauen, Joachim Klein
Ich werde ihm noch danken, Dr. Andreas Käser
Wo kannst du mich gebrauchen?, Sigrid Fiebich
Die Angst in uns, Almuth & Johann
Fürchte dich nicht, Dr. Benjamin Marx
Ich kenne die Angst gut, Sr. Irmtraud Heimgärtner
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