Wieviel wir ihm verdanken

Ein Rückblick auf das vergangene Jahr gibt uns die Gelegenheit, zu erkennen, wie Gott in unserem Leben wirkt und wieviel wir ihm zu verdanken haben. Sandra und Andreas Käser empfehlen, mit einem ehrlichen Gebet zu beginnen und laden sehr persönlich dazu ein, sich Schritt für Schritt auf den Weg zu machen.

Dieser Beitrag erschien im LZA-Journal 4/2025

Journal 4/2025

Diesem Gebet kannst du folgen: „Lieber HERR, ich möchte mit offenem, aufrichtigem und dankbarem Herz auf dieses Jahr zurückblicken. Ich will das in deiner Gegenwart tun. Und ich lade dich ein, meinen Rückblick zu lenken und zu begleiten.“ Und nun: Schreibe Erlebnisse, Situationen und Begegnungen aus dem letzten Jahr auf, die dir in den Sinn kommen. Nimm dazu gerne deinen Kalender oder dein Tagebuch zur Hilfe. Du wirst feststellen: Es gab Licht und Schatten, Höhen und Tiefen, Erfreuliches und weniger Erfreuliches, womöglich Herausforderndes. All das gehört in unser Leben hinein.

Täler und Tiefen

Folgende Fragen können dir helfen, die herausfordernden Seiten deines letzten Jahres ausfindig zu machen und zu benennen:

  • Wo kam ich an meine Grenzen?
  • Wurde ich enttäuscht oder verletzt?
  • Was hat mich stark herausgefordert? Womöglich sogar überfordert?
  • Musste/wollte ich mich von Menschen distanzieren, weil sie mir nicht gutgetan haben?
  • Habe ich zu jemandem den inneren Draht verloren?
  • Musste ich Abschied nehmen von lieben Menschen?

Dieser Teil des Rückblicks kann sehr schmerzhaft sein. Diesen Schmerz darfst du vor Gott zulassen. Er ist in deinem Schmerz bei dir und hält dich fest in seiner Liebe! Nicht alles, was wir erleben, können wir verstehen. Schon gar nicht alles gleich unter die Füße bekommen. Manchmal braucht das auch richtig lange Zeit. Manchmal sind diese herausfordernden und schmerzlichen Ereignisse aber auch genau die Zeiten, in denen wir Gott besonders erleben und wahrnehmen. Und manchmal macht Gott aus dem vermeintlichen Minus ein Plus.

Wir können vor Gott kommen und ihn bitten, dass wir loslassen und vergeben können. Da, wo wir vergeben müssen, bitten wir: „Herr, ich entscheide mich vor deinem Angesicht, ihm/ihr zu vergeben, so wie du auch mir Vergebung gewährst. Ich bitte dich, hilf mir dazu.“ Und wenn du jemanden loslassen musstest, erinnere dich bewusst an schöne Momente mit dieser Person. Sprich deinen Dank laut vor Gott aus: „Herr, danke für das Geschenk, dass ich ihn/sie kennen durfte. Ich vertraue dir, dass du ihn/sie in deinen Händen hältst.“

Weiden und Wasser
Und dann sind da die vielen guten Erlebnisse und Erfahrungen, auf die du dankbar zurückblicken kannst. Du erkennst darin Gottes Segen, seine Hilfe, seine Fürsorge, sein Führen und Leiten, seine Bewahrung und sein konkretes Eingreifen in deinem Leben. Lass dich zu Dankbarkeit und Lob inspirieren: „Lobe den Herrn, meine Seele … und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“ (aus Psalm 103,1-5.8). Oder zu Zuversicht und Freude: „Seid allezeit fröhlich … seid dankbar in allen Dingen“ (aus 1.Thessalonicher 5,16-21). Frag dich:

  • Was ist mir gelungen?
  • Was lief gut?
  • Wofür bin ich Gott besonders dankbar?
  • Wo hat er mich getragen und getröstet?
  • Welche Menschen oder Begegnungen haben mir gutgetan?
  • Wer wurde mir dieses Jahr besonders zum Vorbild?
  • Was hat Gott durch diese Menschen in meinem Leben bewirkt?
  • Wem durfte ich zum Segen sein?
  • Wo konnte ich mit Gott über Mauern springen?
  • Wo durfte ich erleben, dass Gott mein(e) Gebet(e) erhört hat?

Gerade Menschen und Begegnungen sind ja oft die Kanäle, durch die Gott in unserem Leben wirkt — sichtbar und unsichtbar, laut oder leise, durch Trost, Ermutigung, Herausforderung oder einfach durch Liebe im Alltag. Schließe mit einem Gebet: „Herr, danke für all die Menschen, die du in mein Leben gestellt hast. Für die, die mich getragen, positiv herausgefordert, ermutigt und begleitet haben. Danke, dass du durch sie mein Leben und meinen Glauben bereichert hast. Segne sie, wo immer sie sind – und lehre mich, auch selbst ein Segen zu sein. Hilf mir, Herr, meiner Dankbarkeit angemessenen Ausdruck zu verleihen.“

Leben und Gott
Jetzt kommst du zum vielleicht herausforderndsten Teil: der kritische Blick in dein eigenes Herz. Das erfordert Größe und Mut. Es ist aber nötig, um dein Leben vor Gott nachzujustieren. Bette dein Nachdenken darüber ein in das tiefe Wissen, dass Gott dir gegenüber Güte, Wohlwollen und Vergebung walten lässt.

  •  Wie sieht Gott mich wohl im letzten Jahr?
  •  Was hatte ich mir vorgenommen und was davon konnte ich umsetzen?
  • Was hatte Gott mir aufs Herz gelegt und wie bin ich damit umgegangen?
  • Bin ich im Glauben gewachsen?
  • Wie geht es meiner Beziehung zu Jesus? Habe ich gelernt, ihm immer mehr zu vertrauen?
  • Was habe ich aus den Augen verloren?
  • Wo bin ich schuldig geworden an anderen?

Sich diese Fragen zu stellen kann sehr ernüchternd sein. Mit Sicherheit ist es herausfordernd. Aber lass Gott an diese Themen heran. Das ist wichtig für dich, um Korrekturen vorzunehmen und zu wachsen. Bitte Gott um Hilfe. Halte für dich fest:

  • Was muss ich vor Menschen bereinigen und wo von Gott Vergebung empfangen?
  • Was sind meine Handlungsimpulse für das kommende Jahr?
  • Was will ich neu in den Fokus rücken?
  • Was möchte ich nächstes Jahr besser machen?
  • Wo brauche ich Unterstützung und Hilfe?
  • Wen bitte ich, für mich zu beten und mich zu segnen?
  • Welche konkreten Schritte muss ich tun?

Mut und Zuversicht
Beginne das neue Jahr bewusst mit Gott und stelle es unter seinen Segen. Du kannst das mit der großen Zuversicht tun, dass er dich segnen will. Seine Zusage gilt: „Sei mutig und stark und fürchte dich nicht … denn der Herr, dein Gott ist mit dir“ (Josua 1,9). Bitte Gott um seinen Segen, um sein Reden, sein konkretes Führen, seine Hilfe im kommenden Jahr. Und wenn du willst, schließe mit Worten Martin Luthers: „Lieber Gott und Vater aller Barmherzigkeit, verleihe uns deinen Heiligen Geist. Er soll uns erwecken und ermahnen, deine Ehre mit Ernst und mit aller Andacht zu suchen und dir von ganzem Herzen für alle deine unzähligen, unaussprechlichen Güter und Gaben zu danken durch Jesus Christus, unsern Herrn und Heiland. Ihm sei Lob und Dank, Ehre und Preis in Ewigkeit.“

Dr. Andreas Käser gehört als Dozent für Altes Testament und Studienleiter zum Team des TSA, seine Frau Sandra ist Coach (DGfC). Sie leben gemeinsam in Schwieberdingen bei Ludwigsburg.