Zwanzig Kinderfragen
Seit Jahren erzählt Caro Maurer die Weihnachtsgeschichte in ganz unterschiedlichen Kontexten und wird dabei immer wieder mit spannenden Fragen konfrontiert. Sie meint: Warum nicht dieses Jahr mal ein kleines Familienquiz daraus machen und schauen, wer die beste Antwort hat?
Dieser Beitrag erschien im LZA-Journal 4/2025

- Hießen Maria und Josef auch „Christus“ mit Nachnamen? Damals hatten die Menschen keinen Nachnamen. Der Titel „Christus“ (Χριστός) heißt „der Gesalbte“. Früher wurden bedeutende Menschen zwar nicht mit einer Salbe eingecremt, aber mit Öl eingerieben. Damit war klar: Sie haben eine besondere Aufgabe. Jesus hatte die größte Aufgabe überhaupt, darum gibt es keinen größeren Gesalbten.
- Wie lange mussten Maria und Josef von Nazareth nach Bethlehem laufen? Je nachdem wie viel Pausen die schwangere Maria einlegen musste, waren sie wohl zwischen vier und sieben Tagen unterwegs.
- Wie sah es in Bethlehem aus?In der Umgebung von Bethlehem gab es felsige Hänge, die für Weinbau genutzt wurden. In Kalksteinhöhlen übernachteten oftmals Tiere oder auch Menschen auf der Durchreise. So vielleicht auch die Eltern von Jesus.
- Aus welchem Material war die Krippe? Das Römische Reich brauchte viel Holz für Wagen und Schiffe. Darum war der Futtertrog wahrscheinlich aus Stein. Zum Nachdenken: Erstaunlich, dass Jesus als lebendiges Baby in harten Stein gelegt wurde und später aus dem steinernen Grab auferstand. Lebendiges aus Totem.
- Sprachen Maria und Josef deutsch? Nein, sie sprachen aramäisch
- Warum waren die Hirten denn nachts draußen? Es gab zwei Arten von Hirten zur damaligen Zeit. Bäuerliche Hirten hatten einen festen Wohnsitz. Die Hirten in der Weihnachtsgeschichte waren Nomaden. Sie waren nachts und tagsüber draußen, schliefen in Felshöhlen oder haben draußen einen notdürftigen Zaun gebaut. Ein langer wasserdichter Mantel war da sehr wichtig, genauso wie Stab, Schleuder und Stecken zum Schutz vor Tieren und Räubern.
- Hat Jesus als Baby auch geweint und geschrien? Jesus war auch ganz menschlich. Sicher hat er als Baby auch geschrien.
- Hatte Jesus auch Geschwister? Ja, er war der Älteste. Neben den beiden Briefautoren Jakobus und Judas gab es noch Josef und Simon und namentlich nicht erwähnte Schwestern. (Mt 13,54-56; Mk 6,3).
- Gibt es Bethlehem heute auch noch? Ja, heute leben ungefähr 30.000 Menschen dort, damals waren es ca. 2.000 bis 3.000.
- Wie sah der Stall denn aus? Tatsächlich war die Geburt wohl in einem herkömmlichen Wohnhaus. Damals waren die Häuser klein. Stall, Familienzimmer inklusive Schlaf-, Koch- und Essbereich, alles war unter einem Dach, und manchmal durch einen Absatz oder Treppen getrennt. Die Tiere gaben Wärme. In der Bibel steht nichts von Wirten. Das griechische Wort für „Herberge“ kann auch als „Platz“ übersetzt werden („Sie legten das Kind in eine Krippe, denn sie hatten sonst keinen Platz im Zimmer/Haus.“). Die Krippe und die Geburt waren also höchstwahrscheinlich in einem Haus.
- Gibt es den Stall noch? In Bethlehem gibt es eine Geburtskirche. Der Eingang ist so klein, dass jeder sich bücken muss. Sie wurde von Helena, der Mutter von Kaiser Konstatin 327, erbaut. Ob das aber tatsächlich ganz genau der Platz der Geburt ist, ist nicht sicher.
- Wie wurde Jesus gewickelt? Damals gab es nur Windeln aus Stoff. Direkt nach der Geburt wurde das Baby gewaschen und mit Salz abgerieben. Jesus wurde dann mumienartig mit einem rechteckigen Stoff eingewickelt und mit Bändern festgebunden, das sollte warmhalten. Mehrmals täglich wechselte man die Windel. Das Baby wurde mit Olivenöl eingerieben und mit zerstoßenen Myrteblättern eingepudert, bevor es wieder frisch gewickelt wurde.
- Was machte man mit den Windeln von Jesus? Die Stoffwindeln wurden draußen gewaschen am Bach oder Teich. Maria tauchte die Windeln sicherlich ins Wasser, rieb sie mit selbstgemachter Pflanzen-Seife ein und schlug, klatschte und knetete sie auf einem Stein oder Felsen. Nach dem Ausspülen und Auswringen legte Maria den Stoff zum Trocknen aus. Waren sie nicht mehr brauchbar, wurden sie wie der herkömmliche Abfall entweder direkt vor das eigene Haus an die Straße oder vor die Stadttore geworfen
- Hat Jesus in Nazareth auch ein Babybett gehabt? Wahrscheinlich lag Jesus in einer kleinen Hängematte draußen im Schatten oder innerhalb des Hauses. Die war schnell gebunden und die Materialien hatte man sowieso schon im Haus.
- Haben die auch damals schon Geburtstag gefeiert? Jesus hat wahrscheinlich nie Geburtstag gefeiert. Das nächstgrößere Fest in seinem Leben war wohl seine „Bar Mizwa“, als er 13 Jahre alt war. Ab da war er vollwertiges Mitglied der jüdischen Gemeinde und durfte auch aus der Thora vorlesen
- Haben die Weisen dieselbe Sprache wie Maria und Josef gesprochen? Vermutlich nicht. Ob und wie sie sich unterhalten haben, bleibt ein Geheimnis.
- War der Stern eine lange Sternschnuppe? Nein. J. Keppler konnte 1604 die Erscheinung astronomisch beweisen. Demnach kamen sich Jupiter und Saturn sehr nahe (Konjunktion). Drei Mal gab es diese Annäherung innerhalb von neun Monaten. Die Weisen deuteten das so: Der Saturn galt bei den Babyloniern als Planet der Juden, Jupiter als Symbol des Königtums. Das fand im Sternbild Fische statt, was für Palästina stand
- Die Engel erzählten den Hirten was vom Heiland. Ist das ein Land? Nein, das ist auch sowas wie ein Titel. Eigentlich wird das griechische Wort „soter“ mit Retter übersetzt. Den Kaiser Augustus aus Rom nannte man „göttlichen Heiland“. C. Mack meint, dass das sowas wie eine „Provokation gegen andere Götter und Götzen, eine Kampfansage gegen menschliche Machtherrscher“ ist. Keiner ist mächtiger und kann den Frieden schenken, den Jesus schenkt.
- War der König auch der, der Johannes den Täufer umbrachte? Es gab verschiedene Könige, die Herodes hießen. Sie waren alle miteinander verwandt und haben alle noch einen Zweitnamen oder einen Namenszusatz. Herodes der Große (37 v.Chr. – 4 v.Chr.) war der Vater von Antipas (4 v.Chr. – 39 n.Chr.), der später Johannes den Täufer umbringen ließ
- Hatten die denn eine weiße Haut oder warum „Weise“? „Weise“ ist ein anderes Wort für klug. Die Astronomen waren klug und reich, sonst hätten sie sich diese Reise und die kostbaren Geschenke gar nicht leisten können.
Caroline „Caro“ Maurer hat am TSA studiert und gehört nach einer Zeit im Gemeindedienst seit 2021 wieder zum Team des Geistlichen Zentrums. Sie ist hoch musikalisch, ausgesprochen kreativ und kümmert sich vorwiegend um Angebote rund um die Arbeit mit Kindern.

