Ein Himmel­fahrts­kommando

Wer meint, zu Weihnachten sei schon so ziemlich alles gesagt und geschrieben worden, der hat die Rechnung ohne Siggi Waldmann gemacht. Der kommt nämlich immer mal wieder auf extrem interessante Ideen und konfrontiert uns hier mit einer davon: angelehnt an einen komplett anderen Kontext malt er für Weihnachten ein Bild des auf den Kopf gestellten Himmelfahrtskommandos.

Dieser Beitrag erschien im LZA-Journal 4/2025

Foto: Bulgac / iStockphoto

„Das ist ein Himmelfahrtskommando!“ Wenn wir diesen Satz hören, dann ahnen wir: Das Vorhaben, von dem gesprochen wird, geht vermutlich für alle daran Beteiligten nicht gut aus. Es wird trotzdem in die Tat umgesetzt. Auch wenn es mit großer Wahrscheinlichkeit zu Opfern führt. Das nimmt man nur deshalb in Kauf, weil man sich davon einen höheren Nutzen verspricht. Einen Gewinn für viele. In der Regel wird der Begriff Himmelfahrtskommando im militärischen Bereich verwendet, da, wo es um Kampf und Krieg geht; das passt so gar nicht zu Weihnachten, zu Plätzchen, Punsch und heimeliger Stimmung unter dem Tannenbaum. Oder irre ich mich? Trifft vielleicht grade dieses Wort – Himmelfahrtskommando – genau den Kern von Weihnachten? Ich erlaube mir hier mal, den Begriff als Überschrift über den Christushymnus aus Philipper 2 zu setzen. Damit wir dankbar erkennen, wie groß die Liebe Jesu ist, der diesen Weg auf sich genommen hat. 

Auf den Kopf gestellt

Schnell wird klar: Bei Antritt der Mission eines Himmelfahrtskommandos wird mit großer Wahrscheinlichkeit das Ticket ins Jenseits gebucht. Ein enormer Einsatz, ein hoher Preis für einen weitreichenden Nutzen. Für Jesus waren die Zusammenhänge aber eher auf den Kopf gestellt, es ging zunächst in die andere Richtung. Und das hat ihn was gekostet. Einen Preis, den wir aus unserer menschlichen Perspektive nie ganz verstehen können: „Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt.“ (Philipper 2,6-7). Jesus trat nicht die Reise ins Jenseits an, sondern kam von dort. Er verließ die Ewigkeit und kam direkt ins Diesseits. Was hat dieses Erdenfahrtskommando für ihn bedeutet?

Vom Himmel gekommen

Der Sohn Gottes, der vor allem da war, was wir im Diesseits kennen, durch den alle Schöpfung geschaffen ist (Kolosser 1,15f.), verlässt die Ewigkeit. Und lässt damit seine göttliche Natur zurück. „Entäußerte sich“ kann auch mit „entleerte sich“ übersetzt werden. Jesus Christus, der Sohn Gottes, lässt sein göttliches Wesen hinter sich und wird Mensch. Aus Liebe zu jedem einzelnen Menschen! Dabei lässt er auch die perfekte, ungebrochene Nähe zu seinem himmlischen Vater zurück. Natürlich sehen wir, wie er auch in seiner Erdenzeit in intimer Gemeinschaft mit seinem himmlischen Vater war, wenn er zum Beispiel mal wieder eine ganze Nacht durchbetete. Wir wissen aber auch, dass er am Kreuz seinem Vater ein verzweifeltes „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“ entgegenschreit (Markus 15,34), als er die Sünde der Menschheit trägt. Der Sohn Gottes kommt auf die Erde, lässt seine göttliche Natur zurück, wird ganz Mensch und lässt dafür auch die völlig intakte Gemeinschaft mit seinem Vater zurück. Ein umgekehrtes Himmelfahrtskommando. Wie groß muss Jesu Liebe sein! 

Das Ticket ins Grab

Es ist selten, aber möglich. Aus manchem Himmelfahrtskommando auf der Erde kommt man trotzdem einigermaßen unbeschadet wieder heraus. Aus solchen, die doch nicht tödlich enden. Bei Jesus aller-dings war mit der Menschwerdung das Ticket ins Grab bereits gebucht. Ein unausweichliches Grabfahrtskommando: „Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.“ (Philipper 2, 8). Wir feiern Weihnachten, wir feiern, dass der Sohn Gottes auf die Welt kommt, um die Liebe Gottes zu bezeugen und ein für alle Mal unter Beweis zu stellen. 

Wir singen von Frieden auf Erden und beschenken uns. Das ist alles richtig. Es ist genau deshalb so richtig, weil es für Jesus eben keine heimelige Reise zu den lieben Menschenkindern war, um uns etwas besser kennenzulernen. Es ist deshalb so richtig, weil er uns gerade damit beschenkt, dass er alles gibt. Wie teuer Jesus unser Weihnachtsgeschenk bezahlen musste, wird deutlich, wenn wir uns vor Augen halten, wie sehr Jesus in Gethsemane gerungen hat, den Abschluss seines Himmelfahrtskommandos direkt vor Augen. Aber er war bereit, den Preis zu bezahlen, war Gott gehorsam bis zu diesem Tod. Wie groß ist seine Liebe! 

Erst der Beginn 

Jesus verlässt die Ewigkeit und kommt in unser Diesseits. Jesus geht den Weg bis zum – menschlich gesehen – bitteren Ende. Allerdings erhält er, im Gegensatz zu gestorbenen Menschen, nach einem Himmelfahrtskommando, keine posthume Ehrung. Also eine Ehrung nach dem eigenen Tod. Seine Geschichte ist nämlich nicht zu Ende, sondern er wird von Gott wieder zum Leben erweckt und zurück in die Ewigkeit geholt, an die Seite seines himmlischen Vaters: „Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.“ (Philipper 2, 9-11) Jesus kam an Weihnachten auf die Erde, das feiern wir. Gleichzeitig leben wir in der Zeit, in der Jesus seine Mission als Mensch längst abgeschlossen hat. Wir feiern den, der von Gott wieder erhöht wurde und nun zu Gottes Rechten sitzt und von dort aus wiederkommen wird. 

Wenn wir Weihnachten betrachten, können wir nicht anders, als Jesus zu danken. Dafür zu danken, dass er uns sterblichen, sündhaften Menschen den Weg in den Himmel geöffnet hat. Dass er uns durch sein Himmelfahrtskommando das Ticket für unsere Himmelfahrt als größtmögliches Geschenk bezahlt hat. Jesus verließ die Ewigkeit, damit wir sie gewinnen. Jesus verließ die ungebrochene Gemeinschaft mit seinem himmlischen Vater, damit wir in die Gemeinschaft mit dem Vater kommen können. Jesus kam ins Diesseits, damit wir hier in keinem Moment auf uns allein gestellt sind. Und jetzt sitzt er zur Rechten Gottes und bereitet uns unser ewiges Zuhause vor. Danke Jesus, für dein Himmelfahrtskommando! 

Siggi Waldmann ist verheiratet mit Olga und verantwortlich für den Bereich Verkündigung und den Erlebnisgarten. Er liebt es, mit tollen Leuten draußen unterwegs zu sein und dabei starke Erfahrungen zu machen. Der Vater von drei Kindern isst und trinkt gern alles, in dem Bananen verarbeitet sind!