Alles. Nur nicht einseitig!

814. Das ist die Anzahl der Bilder, die meine Frau und ich bei unserem letzten gemeinsamen Fotoshooting gemacht haben. Und wie viele von denen haben wir am Ende aussortiert? Etwa 800: „Das ist nicht meine Schokoladenseite“, „Da sieht der Hintergrund doof aus“, „Hier habe ich nicht richtig geschaut.“ Je nachdem, aus welcher Richtung und Entfernung man ein Motiv fotografiert, kann dieses sehr unterschiedlich aussehen. Es ist eben alles eine Frage der Perspektive.

Dieser Beitrage ist im LZA-Journal 2/2025 Perspektive haben erschienen.

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Im Leben lohnt es sich, Dinge aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Ich muss da sofort an die Abseitsregel beim Fußball denken: Wie groß ist manchmal die Wut bei den Fans, weil sie das Spiel aus einer anderen Perspektive sehen als die Linienrichter und Videoassistenten. Betrachtet man das Geschehen aber aus den unterschiedlichen Kamerawinkeln, merkt man, der Schiedsrichter hatte Recht mit seiner Entscheidung – oder auch nicht. Manch einem Konflikt der heutigen Zeit würde es guttun, wenn wir Menschen anfingen, nicht nur aus dem eigenen Blickwinkel auf ein Thema zu schauen. Erst im Perspektivwechsel beginnt man nämlich die Dinge umfassend zu begreifen.

Auch die Bibel gibt uns oftmals viele verschiedene Perspektiven. Über das Leben von Jesus Christus zum Beispiel können wir gleich aus vier unterschiedlichen Blickwinkeln lesen. Wir wären ja schön blöd, wenn wir nur eins der vier Evangelien beachten würden und die anderen gar nicht. Uns würde im Glauben ganz schön was verloren gehen und unsere Sicht auf Jesus wäre irgendwie auch ganz schön einseitig. Gott ist aber alles andere als einseitig – Dreieinigkeit heißt für mich: Gott ist zu groß, um ihn nur aus einer Perspektive zu betrachten.

Schaue ich zum Beispiel auf Karfreitag und sehe (nur) den Tod Jesu am Kreuz, dann macht mich das traurig, vielleicht sogar verzweifelt. Blicke ich aber (auch) im Lichte der österlichen Auferstehung auf diesen Leidenstag, werde ich zutiefst dankbar und voller Freude über das, was Jesus da für uns errungen hat. Er ist eben wirklich alles. Nur nicht einseitig!

Ole Kratzat ist mit Nadine verheiratet und Vater von zwei Kindern. Er absolvierte 2020 das Theologische Seminar und kehrte nach zwei Jahren Gemeindeerfahrung nach Adelshofen zurück. Neben der Leitung des Jahresteams kümmert er sich um Jugendevents, Freizeiten und seine Musik.